Forschungsschwerpunkte
Die Professur "Betriebssysteme" beschäftigt sich mit Ansätzen und Methoden zur generischen Anwendungsunterstützung"
Zur Zeit wird an der Professur auf drei Gebieten
geforscht:
- Komponierbarkeitsunterstützung
auf Architekturebene
- Betriebssysteme für verteilte
mobile Systeme (Schwärme)
- Nichtfunktionale Eigenschaften
Komponierbarkeitsunterstützung auf Architekturebene
Komponierbarkeit ist eine oft geforderte, aber schwer
fassbare Eigenschaft.
Im wesentlichen geht es darum, Systemeigenschaften bereits auf
Architekturebene zu sichern.
Architektur wird hier als eine Menge von Regeln verstanden,
wie Elemente (sowohl Hard- als auch Softwarekomponenten)
zusammengefügt werden können.
Der Systemsoftware kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.
Ein Ergebnis der Forschung in diesem Gebiet ist die
"MSS-Architektur", die in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität zu Berlin und
DaimlerChrysler Research entstanden ist.
Bei MSS (Message Scheduled System) handelt es sich um eine
verteilte Systemsoftware für eingebettete Systeme mit der
Zielanwendungsdomäne transportation systems, insbesondere
automotive systems.
Die MSS-Architektur unterstützt eine Komponierbarkeit bezüglich
der zeitlichen Eigenschaften zur Laufzeit.
Dadurch ist es möglich, schneller neue Systeminstanzen zu
generieren und flexibel zu konfigurieren.
Betriebssysteme für verteilte mobile Systeme (Schwärme)
Die Mobilität von Systemen nimmt immer stärker zu.
Auch mobile Systeme agieren selten autonom, sondern kooperieren
mit anderen Systemen.
Häufig wird angestrebt, dass eine Menge von solchen Systemen
gemeinsam gewisse Anwendungen ausführt oder Dienste
bereitstellt.
Idee dieses Forschungsgebietes ist es, solche Systeme von
Systemen als ein System (Schwarm) aufzufassen, und
entsprechende Betriebssystemkonzepte zu entwickeln.
Ein wesentliches Grundkonzept eines solchen Betriebssystem muss
die örtliche Koodinierung von Ressourcen darstellen.
Gängige verteilte Betriebssysteme besitzen zwar
Ansätze zum Umgang mit entfernten Ressourcen, es wird jedoch
vollständig von tatsächlichen räumlichen Rahmenbedingungen und
Anforderungen abstrahiert.1
Für ein solches Schwarm-System sind neue Konzepte zu entwickeln.
Die wesentlichen Konzepte der heutigen Betriebssysteme wie Prozesse,
Adressräume, Kommunikationsobjekte, Virtualisierung etc.
stammen jedoch aus den sechziger Jahren, also aus einer Zeit, zu
der es nur zentralisierte, statisch konfigurierte Rechner
gab. Das Betriebssystem war im wesentlichen Eigentümer aller
Ressourcen, die es nach Bedarfs- und Effizienzaspekten
vergab.
Die Entwicklung hin zu verteilten Systemen hat die
Betriebssystemstrukturen bisher nur geringfügig beeinflusst.
So wird die benötigte Funktionalität für knotenübergreifende
Aufgaben in der Regel durch eine weitere Schicht (Middleware)
realisiert.
Das lokale Betriebssystem bleibt weiterhin autonom bezüglich der
Verwaltung der Ressourcen und geht davon aus, dass ihm diese
dauerhaft zur Verfügung stehen.
Diese Grundannahmen sind im Falle eines Schwarmes (wie überhaupt
bei Systemen mit hochgradiger Mobilität) nicht mehr gegeben.
Vielmehr ist die Mobilität nicht mehr als etwas anzusehen, das vor dem
Anwender vollständig versteckt werden muss, sondern als
spezielle zu nutzende Eigenschaft.
Ein Schwarm-Betriebssystem dient damit der Steuerung des Schwarms.
Es ist in der Lage ist, Kommandos an den
Schwarm als Ganzes in Kommandos an einzelne Knoten
umzusetzen.
Dazu gehört die Fähigkeit, einzelnen Knoten bestimmte
Funktionen oder Rollen zuzuweisen, schwarm-interne
Kommunikationstopologien auf- und umzubauen.
Anwendung für ein solches Schwarm-Betriebssystem wären
z.B. Weltraum-Satelliten.
Nichtfunktionale Eigenschaften
Computersysteme werden immer häufiger in Alltagssituationen
eingesetzt.
Damit ist das verlässliche Funktionieren der Informations- und Kommunikationssystemen von
zentraler Bedeutung.
Der Begriff der "Verlässlichkeit" integriert dabei verschiedene
Aspekte, die häufig getrennt voneinander betrachtet werden: die
Verfügbarkeit der Systeme und Dienste, ihre Sicherheit im Sinne einer Nichtgefährdung
von Menschen und Fremdsystemen sowie ihrer Sicherheit im Sinne von Vertraulichkeit,
Integrität und Authentizität.
Allgemein werden solche Eigenschaften als "nichtfunktionale
Eigenschaften" bezeichnet.
Die für menschliche Administratoren kaum überschaubare
und daher schwer beherrschbare Komplexität neuartiger IT-Infrastrukturen ist
mittlerweile selbst eine erhebliche Schwachstelle in Hinblick auf die Verlässlichkeit
geworden.
Es sind daher neue Ansätze für die Architektur von Systemen und in der
Entwurfsmethodik einzuschlagen, die zum Bestandteil eines
effektiven IT-Sicherheitsprozesses werden können.
Insbesondere muss die Komplexität durch zunehmende
Autonomie der Systeme handhabbar gemacht werden, damit
deren Umgang dem Rahmen von IT-Sicherheitskonzeption, Revision
und Zertifizierung entspricht.
Das Potential autonomer Systeme für die effiziente Handhabung
komplexer IT-Infrastrukturen wurde allgemein erkannt und ist auch
von Herstellern in der Computerindustrie bereits aufgegriffen
worden.
Die Forschung an der Professur beschäftigt sich mit Möglichkeiten der Beschreibung von nichtfunktionaler Eigenschaften,
dem gezielten Entwurf solcher Eigenschaften, sowie der Verhinderung unerwünschter Eigenschaften (negative Emergenz).
1 Es geht nicht in erster Linie
um location awareness der einzelnen Schwarmmitglieder,
sondern um das räumliche Verhältnis der Schwarmmitglieder
zueinander und Ausnutzung von räumlichen Gegebenheiten zur
Erfüllung von Anwendungsforderungen.